Heute wird es sich zeigen, ob ich
dem "Projekt Zugspitze" gewachsen bin. Das Wetter
wird jedenfalls nicht als Ausrede herhalten können. Es ist
wieder herrlich, schon morgens in 2000m Höhe 18 Grad und
klarer Himmel.
07:45
Aufbruch an der Knorrhütte. Über
Geröll geht es weiter in Serpentinen auf das Zugspitzplatt,
das sich etwa in einer Höhe von 2400-2600m erstreckt.
08:45
Erstmals ist der Gipfel mit den
im Sonnenlicht hell glänzenden Aufbauten zu sehen. Das
Zugspitzplatt ist erreicht. Dieses wird dann in leichtem
Bergauf und Bergab, teils über einigen Altschneefeldern
überquert.
Der Gipfel ist in Sicht!
(Links neben dem Felsen)
Zugspitzplatt vom Gipfel aus gesehen
Ski-Gelände Zugspitzplatt mit Schneefernerkopf. Seilbahnstation
Sonn-Alpin (2576m) als "Notausstieg" der Tour
geeignet. Baulärm in den Bergen .
Reste des Zugspitzgletschers, des Schneeferners.
Man erkennt in der Mitte die Folienabdeckung, um ihn vor
der Sonne zu schützen.
09:35
Das Zugspitzplatt ist überquert. Auf einer steilen und beschwerlichen
Schutthalde geht es rechts vom Schneefernerhaus (2656m,
keine Einkehrmöglichkeit, kein Seilbahnbetrieb) weiter ca.
200m Höhenmeter nach oben.
Nach der Schutthalde stehe ich vor
dem Gipfelaufbau. Der Weg führt auf den West-Gipfel aus
süd-westlicher Richtung. Er ist rechts oben zu sehen. Zahlreiche
Drahtseile (teils chaotisch) sind hier gespannt, dazu noch
ein Starkstromkabel. Jetzt muss das richtige Drahtseil gefunden
werden um die restlichen ca. 200 Höhenmeter sicher zu überwinden.
Ich stehe vor einer glatten Wand mit Drahtseil und Steigeisen
unerreichbar hoch über meinem Kopf und frage mich, was das
soll. Zum Glück finde ich ein anderes Drahtseil. Sie dienen
nur der Eigensicherung. Es ist nirgends erforderlich, mit
Armkraft zu klettern. Ab hier sollte man schwindelfrei sein.
Schneefernerhaus, Anstieg im Geröll
10:45
Auf dem Grat, kurz vor dem West-Gipfel.
Von einem Schritt auf den anderen schaue ich 2000m nach
Österreich fast senkrecht in die Tiefe. Zur anderen Seite
geht es "nur" 500m zum Platt herunter. Mir wird
bewusst, dass ich mitten auf dem Grat stehe!
Und jetzt bloß nicht an meine Höhenangst denken und einfach
weitergehen!
11:20 Münchner Haus (Westgipfel, 2960m) erreicht. Mich überkommt
eine große Freude, es geschafft zu haben!
Freuden miterleben (O-Ton):
(Danach wurden in den Westalpen
Lawinabgänge beobachtet)
Spätestens hier merkt man, dass
auf den Gipfel auch noch 3 Seilbahnen und 1 Zahnradbahn
führen, die Hunderte von Touristen nach oben baggern.
Münchner Haus
Der
Ostgipfel
Der berühmte Ostgipfel (2962m)
Leicht vom Westgipfel aus zu erreichen, wenn man erst mal
den Stau vor der Leiter geschafft hat.
Schlange stehen
vor dem Ostgipfel wie beim Supermarkt. Jeder Halbschuh-Seilbahntourist
will auch mal ran. Dem echten Bergwanderer graut es! Wer
hier nicht verschwitzt und unrasiert mit schmutzigen Bergstiefeln
steht, wird nicht ernst genommen.
Runter dann mit Seil- und Zahnradbahn.
Die letzte Bahn fährt planmäßig gegen 16:45 Uhr. Vom Bahnhof
in GAP noch eine 1/2 Stunde Fußweg entlang der Partnach
zurück zum Auto am Olympiastadion.
Wo war das Problem?
Warnung:
Zuletzt sei mir noch eine Warnung
gestattet. Man könnte aufgrund meines Berichtes den
Eindruck haben, dass es sich bei dieser Tour um einen
Spaziergang handelt. Doch Vorsicht: bei einem Wetterumschwung
in dieser Höhe besteht immer Lebensgefahr. Im Nebel
verliert man schnell die Orientierung, bei Gewitter
sollte man den Drahtseilen fernbleiben, Neuschnee oder
Vereisung machen schnell ein Vorwärtskommen unmöglich,
Schneefall kann die Wegemarkierung verdecken. Und dann
gibt es auch immer wieder Todesfälle durch Herzversagen
oder Unfälle wegen Erschöpfung. Also prüfen Sie sich,
bevor sie es mir als Rentner nachmachen.
Nachtrag: Genau ein Jahr später, Anfang Sept. 2007, lagen nach
einem Wintereinbruch 140cm Neuschnee auf der Zugspitze,
so dass eine Wiederholung der Tour in diesem Jahr nicht
möglich war. Ebenso fiel eine geplante Besteigung der Alpspitze
aus. Das Wetter in den Bergen ist eben nicht planbar.